Tatort 874: Unvergessen

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Tatort 874: Unvergessen

Krimi, Österreich 2012, Laufzeit: 88 Min., VÖ: 20.05.2013, ORF

8,5 / 10 Punkten

“Der Tatort überzeugt sowohl durch die ungewohnte Story, als auch durch die schauspielerischen Leistungen Moritz Eisners und Bibi Fellner.” (serien-test.info)

Inhalt:

Ein nächtlicher Notruf aus einem fahrenden Auto alarmiert die Polizei in Kärnten: “Eisner, BKA Wien, Dienstnummer 318-12-58. Brauche Unterstützung!” Wenig später wird Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) durch einen Kopfschuss schwer verletzt und reglos hinter dem Steuer seines Wagens in einem Steinbruch aufgefunden. Als er auf der Intensivstation aufwacht, hat er nicht die geringste Ahnung, was geschehen ist. Denn er leidet unter einer “retrograden Amnesie”, durch die das traumatische Erlebnis selbst ausgeblendet wird. Eine fatale Folge der Schussverletzung.

Vergeblich sucht er nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus in seinem Büro nach Hinweisen auf seine Reise in diesen Wochenend-Urlaub. Auch seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Tochter Claudia (Tanja Raunig) können ihm nicht helfen. Moritz Eisner will unbedingt herausfinden, was da mit ihm passiert ist. Deshalb dirigiert er das Taxi, das ihn auf Weisung seines Chefs Ernst Rauter (Hubert Kramar) nach Hause bringen sollte, kurz entschlossen nach Kärnten um.

Der verletzte Eisner erinnert sich nur lückenhaft Die Ankunft Eisners, der unter Sprachstörungen und Aussetzern leidet, spricht sich wie ein Lauffeuer in dem Ort herum, und nicht alle sind erfreut über sein Auftauchen. Sein erster Ansprechpartner ist die örtliche Polizei, weil er u. a. die Spur eines silbergrauen Autos verfolgen will, an das er sich schemenhaft erinnern kann. Inspektor Josef Hudle (Christopher Ammann) hatte Eisner gefunden. Doch er weiß nichts von einem solchen Fahrzeug.

Als Claudia anruft, dass sie ihren Vater sucht, ahnt Bibi Fellner sofort, wo er ist und reist ihm nach. Über die Kassiererin eines Supermarktes stoßen beide schließlich auf eine erste, konkrete Spur: Die Frau weiß noch genau, dass Moritz Eisner bei ihr rote Rosen und eine Flasche Champagner gekauft und sich nach dem Weg zur Kapplerhütte erkundigt hat. Beim Durchsuchen der Hütte kommen bei Moritz bruchstückhaft Erinnerungen an verschiedene Szenen zurück. Er erkennt auch seine Reisetasche wieder, die in einer Ecke steht. Allerdings wurden von unbekannter Hand der Wohnraum verwüstet und die Wände mit Nazi-Schmierereien besprüht …

Darsteller:

  • Chefinspektor Oberstleutnant Moritz Eisner: Harald Krassnitzer
  • Claudia, Eisners Tochter: Tanja Raunig
  • Ernst Rauter, Eisners Chef: Hubert Kramar
  • Major Bibi Fellner, Eisners Partnerin: Adele Neuhauser
  • Franz Wiegele: Juergen Maurer
  • Anton Wiegele: Peter Mitterrutzner
  • Toni Wiegele: Aaron Karl
  • Monika Wiegele: Margot Vuga
  • Maja Jancic-Herzog: Bojana Golenac
  • Richard Herzog: Merab Ninidze
  • Spurensicherer Stefan Slavik: Stefan Puntigam
  • Spezi: Gerhard Liebmann
  • Josef Hudle: Christopher Ammann
  • Reinhard Matschnig: Peter Raffalt
  • Professor Kürstner: Kai Möller
  • Gerichtsmedizinerin: Johanna Orsini-Rosenberg
  • Jozefa Karnicar: Stefka Drolc

Drehbuch und Regie:

Das Drehbuch schrieb Sascha Bigler, der auch Regie führte. “Unvergessen” ist eine Produktion des ORF, hergestellt von Graf Filmproduktion, gefördert vom Land Kärnten.

Drehzeit und -orte:

Gedreht wurde vom 18. September bis 18. Oktober 2012 u. a. in der Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach/Zelezna Kapla-Bela und Umgebung, in Klagenfurt sowie in Wien.

Bewertung:

Moritz Eisner wird aus nächster Nähe mit einem Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Durch eine Not-OP wurde er zwar gerettet, eine komplette Entfernung des Projektils sei aber zu gefährlich. Das Stück ist wie eine tickende Zeitbombe, die zu Ausfallerscheinungen und Black Outs Eisners führen kann – somit soll er sich schonen und nicht anstrengen oder aufregen. Doch der Oberstleutnant Eisner lässt sich auch davon nicht beeindrucken. Er will herausfinden, wie es zu dem Unfall bzw. dem Mordversuch an ihm kam. Folglich entlässt er sich aus dem Krankenhaus und ermittelt lieber. Als guter Kriminalist weiß er, dass sich der Täter stets wieder an den Ort des Geschehens begeben muss. So also auch er.

Eisner gefällt uns in seiner Rolle. Überzeugend spielt er den Kommissar, der auch mal während einer Befragung ohnmächtig wird oder Wahnvorstellungen hat. Eisner ist der Kommissar, der wohl die Mehrheit seiner Ermittlungen krank oder angeschlagen ist, als gesund. Der treue Tatort-Fan erinnert sich bspw. noch an einen früheren Fall, als er im Film mit einem Gips umher humpelte, weil er sich im realen Leben auch das Bein gebrochen hatte. Und da gerade Dreharbeiten anstanden, wurde dieser Umstand in den Film mit eingebaut.

Schauspielerisch die größte Überraschung ist Bibi Fellner. Kritisierten wir sie noch in ihrem letzten Fall als zu aufgedreht und übertrieben schrill und fast schon unseriös (weil sie immer noch das Auto von ihrem Zuhälter-Bekannten fährt), so erleben wir hier eine ganz neue Bibi Fellner. Jetzt wirkt sie stark, konzentriert und gut organisiert. Alles Eigenschaften, die von einer ermittelnden Kommissarin erwartet werden. Anders als in älteren Folgen stehen ihr diese neuen Eigenschaften sehr gut. Wollen wir hoffen, dass diese Veränderung final oder möglichst langandauernd ist.

Die Story ist ungewohnt. Ein (konservativer) Tatort-Zuschauer ist es gewohnt, innerhalb der ersten 5 bis maximal 9 Minuten eine Leiche präsentiert zu bekommen. Erfolgt dieses Ereignis nicht, so wird der Zuschauer unruhig oder stellt gar den ganzen Film in Frage. Für eine Leiche ist es notwendig, dass diese Person nicht mehr am Leben ist. Eisner wurde zwar angeschossen, aber er überlebte den Mordversuch. Doch der konservative Tatort-Zuschauer wird ausreichend entschädigt, denn die vorliegende Story ist packend und spannend zugleich. Auch wenn man sich ein wenig mehr Stärke und Durchsetzungsvermögen der ermittelnden Beamten gewünscht hätte, so spiegelt es so doch mehr die realen Lebenssachverhalte wieder.

Fazit:

Der Tatort überzeugt primär durch die ungewohnte Story und durch die schauspielerischen Leistungen Moritz Eisners und Bibi Fellner. Aus den vorgenannten Aspekten bewertet die Redaktion von serien-test.info die vorliegende Tatort-Folge 874: “Unvergessen” mit 8,5 / 10 Punkten.

Bilder: (c) ORF/rbb/DasErste.de

(c) 05.04.13/om


Tatort 874: Unvergessen, 9.0 out of 10 based on 1 rating

One Response to Tatort 874: Unvergessen

  1. Was hier steht, ist nicht falsch. Trotzdem hätte ich diesem “Tatort” nur 6,5 Punkte gegeben. Mich hat vor allem die Tatsache angekotzt, dass zunächst der Täter mal wieder auf der Nazi-Schiene gesucht wurde. Das diejenigen, die damals solche Verbrechen begangen haben, meist nur Empfehlsempfänger waren, kam zwar auch zur Sprache, doch Eisner (dem Film war übrigens zu entnehmen, dass er Oberst, nicht Oberstleutnant war) hätte keine Probleme gehabt, einen fast 90jährigen in den Knast zu schicken. Was der Rezensent auch nicht wusste, weil er die Rezension vor Ausstrahlung geschrieben hat, ist die Unverschämtheit der ARD, dreimal einen Hinweis einzublenden, der besagte, dass man beim nächsten “Tatort” im Internet den Täter erraten kann. Das empfinde ich als Wertminderung einer Hochglanzproduktion ohnegleichen. Überhaupt gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass Fernsehen nur noch als Plattform fürs Internet genutzt wird. Warum zeigen ARD und ZDF beispielsweise nur im Internet Abspänne? Als letzter Kritikpunkt zu diesem “Tatort” ist auch zu nennen, dass er wieder mal nicht am Sonntag gezeigt wurde (da wurde eine Wiederholung gesendet), sondern am Montag, dem traditionellen Fernsehfilmtag des ZDF. Und das beide Produktionen (in diesem Fall beim ZDF in “Der Tote im Eis”) das Thema Alzheimer behandelten, zeugt auch nicht gerade von intelligenter Programmplanung. Dieser letzte Kritikpunkt hat natürlich nichts mir der Qualität dieses “Tatortes” zu tun, es hat allerdings was mit der Einschaltquote zu tun, die mal wieder unter 8 Millionen (genau waren es 7,69) Zuschauern lag. Ein Ergebnis, dass am Sonntag anders ausgesehen hätte.

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